Soft Skills sind Top Skills – Kompetenzbereiche für emotionale Intelligenz


So wie Softwareentwicklung, Projektmanagement oder Personalauswahl nicht ohne Tool-Sets auskommen, so erfordern auch die sehr verschiedenen Kommunikationssituationen des Führungsalltags ein breites und ausgefeiltes sozio-emotionales Handlungsrepertoire. Es ist offensichtlich, dass in einem Trennungsgespräch andere Kompetenzen notwendig sind als in einem Bord-Meeting oder dem Gespräch mit einem verärgerten Schlüsselkunden. Jede Führungskraft hat bereits ein hohes soziales Kompetenz-Level entwickelt, sonst wäre sie nicht da, wo ist. Die gezielte Weiterentwicklung dieser Kompetenzen wird jedoch meist dem Zufall, willkürlichen Erfahrungen und dem unbewussten Lernen überlassen. Dabei verlangt gerade der hohe Anspruch, den Führungskräfte an sich selbst stellen, ein gezieltes, professionelles Herangehen an diese Entwicklungsaufgabe.

Nach Daniel Goleman, der das Konzept der emotionalen Intelligenz in Bezug auf Führung entwickelt hat, sind vor allem fünf Kompetenzbereiche relevant: Selbstwahrnehmung, Selbstregulierung, Empathie, Motivation und Geschick im Gestalten sozialer Beziehungen.

Lassen Sie sich zu einer kleinen Übung einladen. Schätzen Sie sich doch im Folgenden selbst bezüglich dieser fünf  Kompetenzbereiche ein und bewerten Sie Ihr Kompetenz-Level auf einer Skala von eins (weniger ausgeprägt) bis fünf (sehr ausgeprägt):

Selbstwahrnehmung
Die Fähigkeit, eigene Emotionen, Stimmungen und Gefühle zu verstehen und die Wirkung des eigenen Handelns auf andere gut einzuschätzen und vorauszusagen.

Selbstregulierung
Die Reife und Professionalität, hohen sozialen Druck ohne Rückzugs- oder Fluchttendenzen auszuhalten und eigene Emotionen situationsspezifisch zu steuern.

Empathie
Die Fähigkeit, unterschiedliche Anspruchsgruppen in ihrer Sprach- und Denkwelt zu erreichen sowie komplexe soziale Situationen richtig zu erfassen und einzuschätzen..

Motivation
Der Mut, ins Risiko zu gehen, Stellung zu beziehen, Konflikte anzusprechen sowie in konstruktivem Geist auszutragen, als auch die Fähigkeit, andere Menschen für ein Vorhaben zu gewinnen.

Gestaltung sozialer Beziehungen
Die Fähigkeit, zu den unterschiedlichsten Anspruchsgruppen gute Beziehungen aufzubauen, sie sowohl im Einzelgespräch als auch in Gruppendiskussionen und bei Vorträgen zu erreichen und tragfähige Beziehungen zu entwickeln.

Wenn Sie mit Ihrer Selbsteinschätzung fertig sind, gehen Sie bitte einen Schritt weiter – versetzen Sie sich gedanklich in die Rolle Ihres Vorgesetzten. Was würde er über Ihren Stand  in den fünf Kompetenzbereichen sagen?

Gehen Sie nun noch einen Schritt weiter – versetzen Sie sich gedanklich in die Rolle eines Ihrer Mitarbeiter. Schätzen Sie Ihre Kompetenzbereiche aus Sicht dieses Mitarbeiters ein. Wie ist seine Sicht bezogen auf Ihre Kompetenzen?

Vergleichen und reflektieren Sie nun die Ergebnisse. Welche Rolle ist Ihnen leicht oder besonders schwer gefallen, wo spüren Sie Unsicherheit, wo gibt es Ausreißer und Abweichungen in den Einschätzungen? Was sind zusammenfassend Ihre drei wichtigsten Erkenntnisse?

Wichtig bei dieser Übung ist weniger der Wert auf der Skala. Emotionale Intelligenz „hat“ man nicht – sie wird einem „zugeschrieben“. Deswegen ist vor allem ein Aspekt besonders relevant: die gedankliche Reflexion der Erfahrung, die Sie mit der Übung gemacht haben, insbesondere mit dem Perspektivenwechsel und dem bewussten Abgleich von Selbst- und Fremdbild. Denn solch eine Reflexion ist ein erster Schritt zur gezielten Entwicklung von emotionaler Intelligenz und den entsprechenden Kompetenzen.
WZ 09/18
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