Was Auszeiten bei Führungskräften mit Lebensführung zu tun haben.

Oder: Strategie für Führungskräfte nicht in eine 24-Stunden-7-Tagemaschine zu mutieren. 

Wir alle, Manager und Führungskräfte insbesondere, agieren in einer höchst volatilen, komplexen und unsicheren Welt. Diese Instabilität kann  verunsichern, nervös und aggressiv machen. Vor allem wenn wir das Gefühl haben, dass sicher Geglaubtes und sogar eigene Grundsätze sich auflösen.

Aufgaben müssen immer schneller und möglichst parallel erledigt werden. Oft arbeiten wir bis an die Grenzen unserer Belastbarkeit. Wir stehen unter permanentem Druck, bekannte wie bewährte Lösungsmuster und -strategien greifen oft nicht mehr. Gelernte Methoden, z.B. linear-kausale Analyse und kalkulierbare Wahrscheinlichkeiten, können diesen Herausforderungen oft nicht mehr gerecht werden, Stress und Fehlentscheidungen nehmen zu.

Erfolg im Beruf haben, etwas bewegen, viel Einsatz zeigen und dabei als Mensch nicht auf der Strecke bleiben! Das wäre das Ziel. Wirklichen Sinn in der Arbeit und am Leben finden. Gesundheit, Selbsterkenntnis, sorgsamer Umgang mit sich selbst, situationsgerechtes Verhalten und mit permanenten Veränderungen adäquat umgehen. Aufmerksamkeit auch zu den kleinen Dingen des Alltags, Dankbarkeit, Wertschätzung gegenüber sich selbst und anderen. Die richtige Balance zwischen angespannter Höchstleistung und entspannter Ausgeglichenheit finden.

Nur, wie soll das gehen? Die schlechte Nachricht  - es gibt kein Patentrezept und es ist vor allem nicht einfach. Die gute Nachricht – es ist möglich. Ein Weg zu mehr Ausgewogenheit ist gezielte und bewusste Regeneration. Nehmen Sie sich Auszeiten! Auszeiten sind temporäre Rückzüge vom Arbeitsgeschehen und dem privatem Alltag: Besinnung, Abstand, Sinnfindung, Selbstreflexion und Neudefinition. Auszeit ist auch Muße, die wir zum Überleben dringend brauchen.

Wir sehen verschiedene Formen von Auszeiten und beschreiben sie in drei TIME OUT Kategorien:

TIME OUT SMALL- Täglich kleine Auszeiten
Regenerierende Pausen in gehirngerechten Intervallen genannt BRAC- Basic Rest Activity Cycle. 6x6-Minuten-Pausen mit starker Selbstreflexion ohne Ablenkung  auf den Arbeitstag verteilt. Selbstreflexionen können sein: Bewegung, Muskelentspannung,  Asiatische Bewegungs- und Mentalkünste, Atemübungen, Gymnastik, Meditation oder gar nichts tun und einfach still sein. So können Sie sich mit den natürlichen und gesunden Rhythmus  Ihres  Körpers synchronisieren. Erholung, Gelassenheit und steigende Widerstandskraft ist Ihr Lohn. Eine ganz andere Art den eigenen Alltag zu meistern.

TIME OUT MEDIUM- Tages- oder Wochen-Retreat
Der Unterschied zwischen Erholung, Ablenkung und bewusstem Rückzug. Nicht Action, Urlaub mit Freunden oder Familie sondern das bewusste alleinige Zurückziehen zur Regeneration und Selbstreflexion. Nur einmal im Jahr, für ein paar Tage Bilanz ziehen, intensives Nachdenken über die eigene Lebensführung, Um- oder Neuorientierung, grundlegende und anstehende Entscheidungen. Gar nicht so leicht und keine Zeit? Die bewusste Umwidmung von Urlaub in ein Time Out Medium, gegen äußere und innere Widerstände, ist notwendig. Zum Beispiel ein paar Tage an einem abgelegenen Ort ohne Ablenkung, eine Wanderung durch einsame Gegenden ohne Navi nur mit Karte und Rucksack oder eine Fastenwoche reichen schon für tiefgreifende körperliche, geistige und seelische Regeneration und Klarheit.  Mit sich allein sein, Tagebuch schreiben, Mind-Maps gestalten eigene Werte bestimmen, Wichtiges von Unwichtigem unterscheiden.

TIME OUT LARGE- Sabbatical , für Monate oder ein Jahr
Einfach mal raus – schön, wäre toll. Aber: Geht alles nicht wegen Job, Familie, Geld, irgendwann später vielleicht, wenn es dann mal passt. Ein typischer und verständlicher Reflex. Nein es geht, wie mittlerweile viele Beispiele zeigen. Wenn es so ernsthaft und professionell wie anderes angegangen wird, z.B. ein Kundenprojekt oder ein Hausbau. Wichtig ist auch hier, ehrlich zu sich selbst zu sein, offene und verdeckte Motive für sich zu klären um dann, ausgehend von Idee und Grobkonzept, zur Entscheidung zu kommen. Das ist der schwerste Schritt, danach ist es simples Projektmanagement zu Themen wie Kosten/Finanzen, Familie/Kinder, Hausstand/Versicherungen, Kommunikation mit Unternehmen, Beurlaubung/Kündigung, Rückkehrplan und Netzwerk. Derjenige, dem ein solch temporärer Ausstieg nicht großen persönlichen und beruflichen Nutzen gebracht hat, muss sicherlich noch gefunden werden.

Alle drei vorgestellten Auszeit-Formen erfordern zur Umsetzung gerade zu Beginn - neben der Wichtigkeit - ein gewisses Gefühl von Dringlichkeit. Wie immer am Anfang von Change Projekten. Überhaupt, der Vergleich zu organisatorischen Veränderungsvorhaben ist hilfreich.  Vor allem: Viele Change Projekte werden initiiert, wenn die Krise da ist - dann ist es jedoch oft zu spät, in jedem Fall ist es schmerzhaft. Klug angelegte Change Projekte dienen der Krisenvermeidung und sind auf langfristigen Erfolg statt auf Reparatur ausgerichtet. Das sollte auch für die eigene Lebens-Führung gelten. Besonders bei Führungs-Kräften. Auszeiten bieten als persönliche „Off-Sites“ die Grundlage dafür.

WZ/MPH 04/16